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Josef Singer ist seit 2014 Vorsitzender des Sportkreises Hall. Im kommenden Jahr wird der frühere Turner 70.

© Foto: Ufuk Arslan

Gaildorf / Klaus Rieder 02.02.2019


Josef Singer ist seit 2014 Vorsitzender des Sportkreises Hall.


Immer flammt die Diskussion auf, E-Sport als eigenständige Sportart anzuerkennen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Württembergische Landessportbund (WLSB) haben sich gegen eine Aufnahme der Computerspieler als eigenständigen Sportverband ausgesprochen. Josef Singer, Vorsitzender des Sportkreises Hall, steht hinter dieser Position.


Wo liegen die Gründe, den Wettkampf mit Computerspielen nicht als Sportverband aufzunehmen?
Josef Singer: Die größte Problematik beim E-Sport ist, dass es keine Trennung zwischen Kriegsspielen und Sportspielen gibt. Wenn jemand am Computer Kriegsspiele spielt und dabei Menschen erschießt, dann hat das wohl kaum etwas mit Sport zu tun. Fairness und den Gedanken, zusammen mit anderen im Team sportliche Erfolge haben zu wollen, vermisse ich da ganz.


Aber es gibt ja auch Computerspiele mit sportlichen Wettbewerben.
Das ist richtig. Es gibt beispielsweise ein Spiel, das heißt FIFA. Da tritt man am Computer gegeneinander im Fußball an. Da könnte, denke ich, der DOSB vielleicht noch mitgehen. Aber E-­Sport zieht diese Trennung zu Kriegsspielen nicht. Der DOSB, der WLSB und weitere Sportverbände sprechen nicht mehr von E-Sport, sondern von E-Games.


Was ist die Konsequenz?
Der DOSB lehnt die Aufnahme des E-Sportverbandes ab. E-Sport-Vereine können nicht Mitglied des  WLSB werden.


E-Sport zieht viele Jugendliche an. Darin könnte doch eine Chance liegen über eine „E-Sport-Abteilung“ in den Vereinen auch wieder den „normalen“ Sport näherzubringen.
Es gibt größere Sportvereine, die bieten mit dem FIFA-Spiel Wettkämpfe an. Sie laden dazu Jugendliche in Hallen ein. Dort stehen mehrere Bildschirme und bis zu 50 Jugendliche spielen Fußball gegeneinander. Wenn Vereine die Geräte anschaffen und solche Wettkämpfe anbieten, kann man sich durchaus vorstellen, dass die Jugendlichen Mitglied werden.


Wäre dies nicht eine Chance, die in eine langfristige Bindung an den Verein mündet? Stichworte sind hier aktiv Sport im Verein betreiben und später Aufgaben in der Vereinsorganisation übernehmen.
Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht, wie sich dies auswirkt. Die Vereine testen dies jetzt aus. Dass dann der eine oder andere Jugendliche Fußball auch mal körperlich auf dem Platz probiert, ist schon eine Chance.


Sie wirken eher skeptisch.
Unsicher trifft es eher. Es gibt da auch eben die Argumentation beim E-Sport, dass man beim „körperlichen“ Sport sich und andere verletzen kann. Denke man beispielsweise an den Boxsport, da würde sogar manchmal Blut fließen. Während bei Kriegsspielen am Computer, so die Argumentation weiter, keinem Menschen etwas passiert. Dies zeigt, wie weit die Auffassungen, was Sport ist, auseinander liegen. Dazu kommt die finanzielle Komponente. Nur im Fußball-Sport wird mehr Geld umgesetzt als mit E-Games.


Wenn so viel Geld, auch Sponsoren und Werbegelder, in den virtuellen Sport fließen, besteht dann nicht die Gefahr, dass für den „körperlichen“ Sport das Geld knapp wird?
Wenn es um die staatlichen Zuschüsse für den Sport geht, stehen die Politiker in der Verantwortung. Dort wird entschieden, wie viel Geld für die einzelnen Sportarten zur Verfügung gestellt wird. Wobei E-Games wohl eher keine öffentlichen Gelder benötigen, sondern durch Werbung über genügend finanzielle Mittel verfügen. Dass Werbe- und Sponsorengelder dann für den Spitzensport in anderen Sportarten fehlen, kann ich mir heute nicht vorstellen.


Sie meinen, das hängt von anderen Entwicklungen ab?
Genau. Nehmen wir das Beispiel Boris Becker. Das Tennis erlebte mit seinen Erfolgen einen Boom – personell in den Vereinen wie auch finanziell, weil der Sport im Rampenlicht stand. Ein weiteres Beispiel sind jetzt die Handballer.

 


Geld ist also nicht der entscheidende Faktor?
Nach dem Karriereende von Boris Becker verlor der Tennis-Sport an Anziehungskraft. Ich glaube nicht, dass das mit mangelndem Geld zu tun hatte. Das hängt eher mit den erzielten Erfolgen in den Sportarten und der Außenwirkung zusammen. Sportarten selbst erleben auch unabhängig von der finanziellen Ausstattung ein Auf und Ab im Bereich der Identifizierung. Gewinnt eine neue Trendsportart breiten Raum, so kann das zulasten anderer Sportarten gehen. Dies schon dadurch, dass sich der eine oder andere aktive Sportler anders orientiert. Hier stellt sich dann die Frage, ob die Sportvereine diese Entwicklung auffangen und diese Trendsportart anbieten können.


Aktiver Sport ist der Zugang zum Verein. Dort hofft man, dass Sportler nach ihrer aktiven Zeit Funktionen im Verein übernehmen. Wenn es um die Übernahme von ehrenamtlichen Aufgaben geht, hält sich der Andrang doch eher in Grenzen?
Der Sportverein an sich hat die Notwendigkeit oft noch gar nicht erkannt, sich schon beim Mutter-­Kind-Turnen zu überlegen, wie man die Eltern in die Vereinsarbeit einbinden und die Kindern weiter in den Jugendsport führen oder wie man Übungsleiter finden kann, die dann später zum Funktionär werden. Da ist noch viel dem Zufall geschuldet.

Verwaiste Ämter gibt es auch beim Sportkreis Hall, zum Beispiel ein Leiter des Jugendsportkreises fehlt.
Ich habe lange bei den Vereinen gesucht. Jetzt nach fünf Jahren habe ich jemand gefunden: Es ist eine Sportstudentin, die nach Abschluss ihrer Ausbildung in den Kreis Hall zurückkehrt. Sie ist auf mich zugekommen. Das ist ein Glücksfall.


Als Sie 2014 den Vorsitz des Sportkreises übernahmen, waren Sie 64 Jahre alt. Macht man sich da nicht irgendwann seine Gedanken, wer einem nachfolgen könnte – auch vor dem Hintergrund, dass Ihre dritte Amtszeit 2020 endet und Sie dann 70 Jahre alt werden.
Ich weiß nicht, ob man das gedanklich so organisieren kann, weil das tatsächliche Leben oft anders läuft, als man es sich vorstellt. Aber man sollte sich vielleicht mit zunehmendem Alter aussuchen, was man machen möchte. Dinge zu tun, die Freude machen, sollte den Vorrang bekommen in der Auswahl eines Ehrenamtes. Auf keinen Fall sollte man Dinge tun, die man nicht tun will, wie aus Pflichtgefühl. Solche Gedanken kommen vielleicht auch schon vor 70.


Sie haben sich also schon Gedanken bezüglich einer vierten Amtszeit gemacht?
Mein Vorgänger Rolf Grübel war 22 Jahre Sportkreisvorsitzender. Als er „altershalber“ ausschied, wie er damals schmunzelnd sagte, war er jünger als ich bei meinem Amtsantritt. Mir war klar damals, dass ich mit 64 Jahren eher ein Übergangs- als ein Langzeitvorsitzender bin.


Bremst eine solche Erkenntnis die Motivation?
Ein klares Nein. Motivation entsteht durch Erfolgserlebnisse und Freude. So ein Amt muss Freude machen. Hätte ich nicht diese Erwartung gehabt, hätte ich es erst gar nicht angetreten.


Was passiert beim Sportkreistag 2020 diesbezüglich?
Wenn ich fit bin, kann ich mir vorstellen, auch mit 70 im Ehrenamt was zu tun. Wenn ich einen versierten und jüngeren Nachfolger gewinnen kann, werde ich keine weitere Kandidatur als Sportkreisvorsitzender anstreben.

 

Link zum Originalbericht - https://www.swp.de/suedwesten/staedte/gaildorf/_so-ein-amt-muss-freude-machen_-29375847.html

 

 

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